Mainz: Reicht es ohne neuen Stadtteil?

Drei OB-Kandidaten, drei Antworten.

  • Die Themenliste, an der sich die drei OB-Kandidaten abarbeiten mussten, war lang. Ums Wohnen ging's erst gen Ende. Und die Zukunft des Wirtschaftsstandortes blieb unbeleuchtet.

    ©cubatur-Foto 2019

Im Schnitt gewinnt Mainz jedes Jahr etwa 0,9 Prozent Einwohner hinzu. Das klingt wenig. Trotzdem brauchen jährlich 2.000 Menschen Platz zum Wohnen. Doch wo?

„Reicht es ohne neuen Stadtteil?“, fragte F.A.Z.-Redakteur Markus Schug die drei Oberbürgermeisterkandidaten, die am 10. Oktober 2019 vom Verlag zum Bürgergespräch „Mainz.Erhalten.Gestalten.“ in die Kulturei der Mainzer Zitadelle eingeladen wurden. Tabea Rößner (Die Grünen) „plädierte fürs Bauen“, ruderte jedoch im gleichen Atemzug wieder zurück und verstrickte sich in Widersprüche: „Wir werden nicht alles zubauen können.“ Wohnraum müsse nach ihrer Auffassung dadurch entstehen, dass Flächen „effizient genutzt werden“ – zum Beispiel durch Aufstockung von Supermärkten oder Bestandsgebäuden und Nachverdichtung. Auch im Ausbau des ÖPNV sieht OB-Kandidatin Rößner eine Lösung, „damit die Menschen aus dem Umland in die Stadt fahren können“. So brauche nicht jeder eine Wohnung in der Stadt. Der Idee, in Mainz einen neuen Stadtteil zu entwickeln, erteilte sie mit Blick auf die klimatischen Bedingungen in der Stadt jedenfalls eine klare Absage: „Wir sollten durch einen neuen Stadtteil nicht die Kaltluft abkappen.“

Nino Haase (parteilos), der als unabhängiger OB-Kandidat ins Rennen geht, kritisierte, dass der angedachte Stadtteil zwischen Hechtsheim und Ebersheim, „heute schon viel weiter sein könnte, wenn die Idee nicht seit vielen Jahren blockiert worden wäre.“ Haase setzt bei der Schaffung von Wohnraum deshalb südwestlich von Mainz-Finthen auf interkommunale Kooperation: „Um den Layenhof sind Gemarkungen als Bauentwicklungsland ausgewiesen. Wir wären als Mainzer doof, wenn wir das nicht gemeinsam mit dem Landkreis angehen.“

Der amtierende Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) möchte sich grundsätzlich „gedanklich vorurteilsfrei“ damit auseinandersetzen, was an welcher Stelle planerisch machbar ist. „Wir haben in den letzten Jahren rund 7.000 neue Wohnungen neu gebaut und sind in der Region FrankfurtRheinMain die einzige Stadt, der es gelungen ist im geförderten Wohnungsbau eine Trendwende einzuleiten.“ Mit Aufstockung und Nachverdichtung allein, werde es nicht gelingen, in den nächsten Jahren noch mal eine Schippe draufzulegen. Das sei aber nötig, so OB Ebling. Denn Studien bescheinigen Mainz auch in den kommenden Jahren einen enormen Zugewinn an Einwohnern. Die Stadt hat ihr Wohnungsneubauprogramm deshalb nochmal modifiziert. Bis 2025 sollen etwa 1.000 Einheiten pro Jahr neu gebaut werden.