Alleinerziehende sind gefährdet

Das Merkmal „bezahlbar“ ist relativ.

  • Alleinerziehende schultern viele Aufgaben und eine enorme Verantwortung. In den Städten finden sie aktuell kaum noch bezahlbaren Wohnraum.

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In rund 33 Prozent der deutschen Haushalte leben nur zwei Personen. Während Doppelverdiener es leichter haben, passenden Wohnraum zu finden, wird die Situation für Alleinerziehende in den Städten immer prekärer.

Es gibt sie noch, die traditionelle Kernfamilie bestehend aus zwei Elternteilen mit ihrem Nachwuchs. Allerdings gehen die gesellschaftlichen Veränderung an diesem Beziehungsmodell nicht ganz spurlos vorbei. Die fortschreitende Singularisierung lässt den Anteil Alleinerziehender immer größer werden: Mittlerweile ziehen in Deutschland rund 1,67 Mio. ihre Kinder alleine groß. Das sind 50 Prozent mehr als vor 15 Jahren. Alleinerziehende schultern eine große Verantwortung und viele Aufgaben. Wer in der Stadt auf Wohnungssuche ist, hat es allerdings besonders schwer. Denn für diese Zielgruppe gibt wenig bis fast gar keinen verfügbaren Wohnraum – insbesondere dann, wenn er „bezahlbar“ sein soll. Gemeinhin gilt Faustregel, wonach die Miete 30 Prozent des Haushaltseinkommens nicht überschreiten sollte. Die Crux ist: Die Einkommen variieren je nach Haushaltstyp enorm. Zwar sind die Einkommen der privaten Haushalte zwischen 2012 und 2017 um mehr als 13 Prozent gestiegen. Doch von dieser guten Entwicklung profitieren Single-Haushalte und Alleinerziehende am wenigsten. 91 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter. Tragen sie die Verantwortung für Kinder unter drei Jahren, müssen sie im Schnitt mit weniger als 1.100,- € pro Monat auskommen. Für sie ist die Wohnungssituation besonders angespannt. Aber selbst Alleinerziehende, die innerhalb ihrer Nachfragergruppe über ein vergleichsweise durchschnittliches Haushaltseinkommen verfügen können, haben es nicht leichter. Selbst 30 Prozent ihres Budgets würden aktuell nicht ausreichen, um die Mietpreise bezahlen zu können, die derzeit am Markt aufgerufen werden. Diese Wohnungsnachfrager finden kaum noch Angebote. Das ergab eine aktuelle Marktanalyse der empirica ag.

Keine Chancengleichheit bei Zwei-Personen-Haushalten

Vor allem in den Metropolen ist der Zugang zum Mietwohnungsmarkt für Alleinerziehende nahezu aussichtslos. Denn wer beispielsweise aufrund des Arbeitsplatzangebotes und der guten Versorgungsinfrastruktur aktuell einen Umzug wagen wollte, könnte sich in zehn Prozent der deutschen Städte maximal sechs Prozent der angebotenen Mietwohnungen leisten. Besonders drastisch ist die Situation in Frankfurt am Main und Offenbach. Dort ermittelte empirica für Alleinerziehende unter Berücksichtigung ihres Haushaltsbudgets nur eine Verfügbarkeitsquote von 0,9 bzw. 1,1 Prozent. Für Paare mit Kindern sind in der Mainmetropole unter Berücksichtigung ihres Haushaltseinkommens immerhin 8,9 Prozent der Mietwohnungen erschwinglich. Die größten Chancen können sich Paare ohne Kinder ausrechnen: Mit einer Verfügbarkeitsquote von rund 22 Prozent stehen ihnen in Frankfurt am meisten Optionen zur Verfügung, eine bezahlbare Mietwohnung zu finden.