In Mainz wird's eng

Das Zeitfenster für spekulative Projekte ist so günstig wie lange nicht.

  • Klarer Standortvorteil: Die Büroflächen im Mainzer Zollhafen sind sehr gefragt. Trotz der Spitzenmietpreise.

    ©cubatur-Foto; Urheber: Kristina Schäfer

Nur von Wohnungen alleine kann sich eine Stadt nicht finanzieren. Das Flächenpotential für die Wirtschaft ist in Mainz allerdings überschaubar. Neue Büroflächenangebote stoßen auf überregionales Interesse. Der Markt könnte noch mehr davon vertragen.

In Mainz läuft die Wirtschaft rund. Alleine in den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Bürobeschäftigten um elf Prozent zugelegt, während das Büroflächenangebot hingegen nur um fünf Prozent zunahm. Vermieter von neuen, modernen Büroflächen in Mainz haben also gut lachen. Der Büroflächenleerstand ist mittlerweile unter die „Drei-Prozent-Marke“ gesunken, das Angebot im Neubausegment knapp, das Interesse daran groß: „Wir haben erst die Grundsteinlegung für das ZigZag gefeiert, schon klopfen die ersten Interessenten an“, verkündete Michael Morgan, Geschäftsführer der CA Immo Deutschland GmbH, am 10. April 2019 beim Immobilien-Dialog Mainz mit Freude. Die Anfragen kämen längst nicht nur aus Mainz, sondern unter anderem von Unternehmen aus dem Rheingau und aus Wiesbaden. Gefragt seien alle Größenklassen. „Wir frohen Mutes, unsere Flächen voll zu bekommen“, äußerte sich Morgan. So hätten bereits zwei Großnutzer signalisiert, gleich mehrere 1.000 m2 anmieten zu wollen. Auch Frank Berlepp sieht der Vermietung des „Rheinkontor“ „relativ entspannt“ entgegen. Das Multi-Tenant-Gebäude entsteht ebenfalls im Zollhafen und wird ebenso wie das ZigZag 2020 bezugsfertig. Zwei Drittel der Fläche hat Berlepp mit der LBBW als Ankermieter bereits unter Dach und Fach. Trotz der Zuversicht, die verbleibenden rund 4.100 m2 Bürofläche gut vermarkten zu können, sieht der Geschäftsführer der LBBW Immobilien Management GmbH der künftigen Mietpreisentwicklung an dem Standort mit einer gewissen Skepsis entgegen. „Wir sind jetzt schon im Bereich der Spitzenmiete angelangt, eine höhere Miete werden die Büronutzer an diesem Standort nicht akzeptieren“, prognostiziert Berlepp. Eine Einschätzung, die andere Marktteilnehmer nicht unbedingt teilen wollen: „Büronutzer werden sich auch an B- und C-Standorten mit steigenden Büromieten auseinandersetzen müssen“, entgegnet Michael Morgan. Es sei nicht zuletzt mit Blick auf die steigenden Entwicklungskosten gar nicht mehr anders darstellbar, neue Büroflächen unterhalb von 15,- €/m2 anzubieten. Carlo Schöps, geschäftsführender Gesellschafter der TwoRivers GmbH, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich sehe in Mainz in den nächsten Jahren im Bürosektor einen Angebotspreis von 18,- €/m2.“ Der erfahrene Büro- und Gewerbemakler liefert die Begründung für seinen Marktausblick auch gleich hinterher: „Das Büro- und Geschäftszentrum Fort Malakoff Park war die letzte größere spekulative Projektentwicklung in Mainz und die liegt mittlerweile über 20 Jahre zurück.“ Seinerzeit hätte dieses Angebot auch Unternehmen aus Hessen angezogen, weil es „attraktiv war und es im naheliegenden Umland keine vergleichbaren Angebote gab“. Heute sei die Situation ähnlich. Mainz könne von der aktuellen Büroflächennachfrage profitieren, weil weder im direkten Umkreis noch im benachbarten Wiesbaden entsprechende Angebote zu haben seien. „Es ist schade, dass in Mainz keine neue spekulativen Büroprojekte entstehen“, bedauert Schöps und verweist auf die Konsequenzen daraus: „Perspektivisch wird der Leerstand weiter nach unten gehen und die Büromietpreise nach oben.“ Mainzer Unternehmen werden sich darauf einstellen müssen, dass sich die Vorzeichen auf dem Büroimmobilienmarkt verändern. Mit einem stetig abnehmenden Flächenangebot werden auch die Mietpreise im Bestand zukünftig nur eine Richtung kennen: die nach oben.

Büromärkte MZ-DA-WI im Vergleich

Wie viel Quadratmeter wurden im vergangenen Jahr umgesetzt? Wie hoch ist der Büroflächenleerstand in Mainz, Darmstadt und Wiesbaden? Wie haben sich die Mietpreise entwickelt und welche Tendenzen sind zukünftig zu erwarten? Die aktuellen Marktdaten liefert das e-Paper

cubatur-Leser wissen eben mehr.