Heilsbringer Food – wie viel „Essen & Trinken“ ist verträglich?

Gastronomie erobert sich die Einkaufslagen.

  • „Essen & Trinken“ ist zum Appetithäppchen für den innerstädtischen Einzelhandel avanciert. Ob der Köder den Shopping-Kunden schmeckt?

    ©cubatur-Foto; Urheber: Kristina Schäfer

Selbst im digitalen Zeitalter gibt es immer noch Handlungen, die sich nicht streamen lassen. Essen und trinken gehört zweifelsohne dazu. Zwar schenken immer Menschen dem, was sie zu sich nehmen, mehr Aufmerksamkeit. Auch ist die heimische Küche längst zum Statussymbol avanciert. Doch immer weniger scheinen tatsächlich selbst zu kochen. Denn der „Außer-Haus-Konsum“ legt rapide zu. Ein Trend der die Innenstädte verändert. Gastronomie hat das Zeug zum Placemaker. Auch in Mainz. Doch das birgt Risiken.

Fast 76 Milliarden Euro haben die Konsumenten 2016 in Deutschland dafür ausgegeben, um ihre Grundbedürfnisse „Essen und Trinken“ unterwegs zu befriedigen – rund 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor, ermittelte der Deutsche Bauernverband, Berlin, für seinen Situationsbericht 2017/2018. Mit einem Anteil von fast 40 Prozent am Gesamtumsatz kann sich die klassische Bediengastronomie das größte Stück vom Kuchen sichern. Die Kategorie „Schnellrestraurant / Imbiss“ bekommt knapp 32 Prozent ab, das Segment „Erlebnisgastronomie“ rund 17 Prozent und Kantinen bzw. Mensen kommen auf einen Anteil von rund 9,5 Prozent. Anzeichen, dass dieser Trend abflachen bzw. in absehbarer Zeit ein Ende nehmen könnte, sind nicht ersichtlich. Ganz im Gegenteil. 

Die Foodquote in Mainzer Einkaufslagen

Die Gründe für die Zunahme des „Außer-Haus-Konsums“ sind vielschichtig. Fest steht: Traditionelle Mahlzeiten-Rhythmen haben sich in den letzten Jahren weitgehend aufgelöst und das Bedürfnis der Menschen, sich auch im realen Leben zu begegnen, scheint trotz (oder gerade wegen) der sozialen Medien stärker als je zuvor. Man verabredet sich am liebsten aushäusig, der Treffpunkt außer Haus wird zum verlängerten Wohnzimmer. Die Folge: Gastronomie- und Foodangebote nehmen zu – in den Shoppingtempeln ebenso wie in den innerstädtischen Einkauflagen. Das macht sich auch in Mainz bemerkbar: So halten in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bereits rund 28 Prozent von knapp 460 erfassten Geschäften Angebote aus der Rubrik „Essen & Trinken“ bereit, wie aus einer aktuellen Erhebung von cubatur-Research hervorgeht. Bei neun von insgesamt 26 erfassten Einkauflagen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt erreicht die Foodquote bereits zwischen 20 und 30 Prozent, der Spitzenwert liegt sogar bei über 70 Prozent, so das Ergebnis der aufwendigen Standort-Betrachtung.

Synergieeffekte für den Handel

Die gute Nachricht daran ist: Gastronomie erfährt durch die gesellschaftliche Entwicklung eine Aufwertung. Auch in der Vermietungspraxis durchlebt die Branche einen Imagewandel. Betreiber von Shopping-Center haben früh die Magnetwirkung von essen und trinken erkannt und stricken die Konzepte ihrer Foodcourts entsprechend um. Im urbanen Raum hauchen Gastronomen, Café- und Barbetreiber Straßen und Plätzen neues Leben ein. Je abwechslungsreicher die Begegnungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten desto stärker ist die Strahlkraft. Und das wirkt sich positiv auf die Attraktivität des jeweiligen Standortes aus. Es gibt allerdings eine Kehrseite der Medaille. Die gastronomischen Angebote können noch so gut sein, sie werden den Niedergang einer ganzen Einkaufsmeile nicht im Alleingang aufhalten können. Gastronomie hat zwar das Zeug zum Placemaker, braucht aber auch den Einzelhandel. Wie so oft gilt auch hier die Devise: Der richtige Mix entscheidet darüber, ob Synergieeffekte entstehen können.

„Essen & Trinken“ ziehen in einem Einkaufszentrum mehr Besucher an als die eigentlichen Ladengeschäfte. Auch die Einzelhändler im 2013 eröffneten Skyline-Plaza in Frankfurt am Main bekommen das zu spüren. Dem ECE-Shoppingcenter erteilen sie eine deutliche 3 Minus. Im Shoppingcenter Performance Report 2017 rangiert dieser Einkaufstempel deshalb auf Rang 230. Bildquelle: ECE

Spitzenmieten werden sinken

Der Hinweis auf die Binsenweisheit scheint angebracht, weil sich auch die Gastronomie immer stärker filialisiert. Mithin geht vom Food-Hype eine ähnliche Gefahr aus, wie einst von den Textilfilialisten: Je höher der Filialisierungsgrad in den Fußgänger- bzw. Einkaufszonen, desto mehr nimmt das Risiko zu, monoton bzw. austauschbar und damit uninteressant zu werden. Die Verlockung als Vermieter bei der Wahl des Gastro-Mieters etablierten Franchise-Konzepten den Vorrang zu geben, ist nachvollziehbar. Gleichwohl setzt man mit Franchise keineswegs auf die sichere Karte. So musste im Oktober 2018 ein Franchisenehmer der Systemgastronomiekette Vapiano im Einkaufszentrum Forum Hanau Insolvenz anmelden. Auch müssen sich Vermieter von der Vorstellung verabschieden, mit gastronomischen Nutzungen seien Spitzenmieten wie im Einzelhandel zu erzielen. Die Leistungsfähigkeit ist vom jeweiligen Betriebstyp abhängig. Fullservice-Konzepte mit einem hohen Waren- und Personaleinsatz haben es deutlich schwerer als Coffee-Shops oder Eiscafés. Wenn ein Gastronomiebetrieb im klassischen Bediensegment bezogen auf die Gesamtfläche einen Mietpreis von 40,- bis 50,- Euro/m2 bezahlen kann, zählt er zu den absoluten Top-Performern. Und die sind rar. Mit einem fortschreitenden Einzug von essen und trinken in die innerstädtischen Einkaufslagen werden sich Vermieter und Investoren ob kurz oder lang also auf eine Abnahme der Spitzenmieten für Ladenflächen gefasst machen müssen.

Der Einzelhandelsreport für Mainz:

„Wer ist wo und wie oft?“

459 Einzelhändler und Gastronomiebetriebe in 26 innerstädtischen Lagen adressgenau erfasst (einschließlich der jeweiligen Internetadresse). Mit aktuellen Informationen zu Flächenvakanzen, Angebotsmieten und der Bevölkerungsstruktur. Die bis dato einmalige und aktuelle Faktensammlung zur Einkaufslandschaft in der Mainzer City ist ein „Must-have“. Für Einzelhändler, Filialisten und Franchisenehmer ebenso wie für Eigentümer, Investoren und Projektentwickler.

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