Frankfurt wächst (und verdrängt)

Hoteliers verdienen auch am Wochenende Geld.

  • Das Image der Businessmetropole Frankfurt hat sich verändert. Die Stadt am Main lenkt die Aufmerksamkeit von Hotelbetreibern und -entwicklern auf sich. Das bekommt die gesamte Region zu spüren.

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Frankfurt am Main hat sich verändert. Und der Hotelmarkt ebenfalls. Das macht sich in der gesamten Region bemerkbar. Welche Standorte müssen sich Sorgen machen?

Die Projektpipeline auf dem Frankfurter Hotelmarkt ist prall gefüllt: Bis 2022 wächst das Angebot um 5.000 neue Betten. Bemerkenswert ist, dass die zusätzlichen Kapazitäten vor allem Vier und Fünf-Sterne-Segment entstehen. Nach Berechnungen der Frankfurt Hotel-Alliance e.V. müssten die Übernachtungszahlen im gleichen Zeitraum um 19 Prozent auf zwölf Millionen Gäste im Jahr ansteigen. Dass das genauso eintreten könnte, erscheint gar nicht mal so abwegig. Denn das Übernachtungsaufkommen ist in Frankfurt in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Über etliche Jahre sogar überdurchschnittlich gut. Während die Übernachtungszahlen deutschlandweit jährlich im Schnitt um drei Prozent zulegten, kletterten die Übernachtungszahlen in Frankfurt teilweise um sechs Prozent – pro Jahr! So konnte die Hotellerie über einen langen Zeitraum ein Rekordjahr nach dem anderen verbuchen: 2010 summierte sich die Zahl der Übernachtungen im Frankfurter Stadtgebiet und den unmittelbar angrenzenden südlichen und nördlichen Hotelstandorten auf insgesamt 11,3 Mio., zählt man noch die Standorte Wiesbaden und Mainz hinzu, entfielen auf die Region rund 13,1 Mio. Übernachtungen. Bis 2018 stieg das Übernachtungsvolumen auf insgesamt 18,6 Mio. an. Und mit jeder Steigerung ist es Frankfurt gelungen, sich ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern (siehe Grafik).

Das Tor zu Europa

Es gibt gute Gründe dafür, dass die Zahl der Übernachtungen in der gesamten Region über die Jahre stetig zugenommen hat und aller Voraussicht nach auch noch weiter zunehmen wird:

  • Europa ist eine der meistbereisten Regionen der Welt – auch weil die Reisedestination als „wirtschaftlich stabil und sicher gilt“. Und der Flughafen Frankfurt ist das Tor zu Europa.
  • Frankfurt profitiert zudem davon, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu den bedeutenden Messestandorten zählt. Alleine 2018 fanden in Frankfurt knapp 79.900 Veranstaltungen statt – 5,7 Prozent mehr als 2017.

Zwar zählen Inlandsgäste immer noch zur größten Nachfragegruppe. Doch Frankfurt wirkt auch auf internationale Gäste anziehend – insbesondere Chinesen zieht es in die Mainmetropole. 2018 gingen über 340.000 Übernachtungen auf ihr Konto. Weitere rund 219.000 Übernachtungen wurden durch Reisende aus den arabischen Golfstaaten und über 1,3 Mio. durch asiatische Gäste generiert. Gut möglich, dass sich durch den Ausbau der Flugverbindungen und eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen ihr Anteil am Gästeaufkommen in Frankfurt in den nächsten Jahren noch weiter vergrößern wird.

„Frankfurt ist ein gutes Beispiel dafür, welche positiven Effekte Kultur- und Eventangebote auf den Städtetourismus haben können“, sagt Martina Fidlschuster, geschäftsführende Gesellschafterin der HOTOUR Hotel Consulting GmbH. Am Wochenende liege die Zimmerauslastung zwar immer noch hinter der in München, Hamburg und Berlin. Doch die Intensivierung des Stadtmarketings in Kombination mit der Ausweitung des Angebots an modernen Budget-Hotels habe die Wochenendnachfrage allerdings schon spürbar beflügeln können. Doch die gute Entwicklung hat auch eine Kehrseite: „Der Hotelmarkt Frankfurt wächst nicht nur, er führt auch zu Verdrängungseffekten in der Region. Jedes neue Hotelprojekt, das innerhalb der Stadtgrenzen von Frankfurt entsteht, nimmt dem Umland Geschäft weg“, so Fildschuster.