Beschäftigungswachstum stärker als Einwohnerzuwachs

LK Alzey-Worms und Mainz-Bingen stechen raus. Mainz auch.

  • Die Flächenverfügbarkeit für Wohnen und Gewerbe wird für den nachhaltigen Erfolg eines Standortes entscheidend.

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Seit 2000 hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in FrankfurtRheinMain um rund 19 Prozent zugelegt. Geht das so weiter?

Fast 2,4 Mio. Menschen waren 2018 in FrankfurtRheinMain sozialversicherungspflichtig beschäftigt – knapp 386.000 mehr als zur Jahrtausendwende. Nach einer aktuellen Auswertung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main (IHK) fanden damit in der Region so viele Menschen ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis wie noch nie. Alleine in den drei zurückliegenden Jahren sind rund 170.000 zusätzliche Stellen entstanden. Die gute Nachricht: Das kräftige Beschäftigungswachstum machte sich in allen 25 Kreisen und kreisfreien Städten von FrankfurtRheinMain bemerkbar. „Auffällig ist, dass der Landkreis Alzey-Worms mit einem Plus von 40 Prozent den größten Anstieg verzeichnete“, so IHK-Geschäftsführer Sebastian Trippen. „Ebenfalls kräftig zulegen konnte zudem der Landkreis Mainz-Bingen mit rund 34 Prozent und der Hochtaunuskreis, der die Anzahl der Beschäftigten um 32 Prozent steigern konnte.“

Bildquelle: IHK Frankfurt am Main

Fachkräftemangel bremst Wirtschaftsdynamik

Die gute Beschäftigungskonjunktur schlug sich entsprechend auf die Arbeitslosenzahlen nieder. So verringerte sich in der gesamten Metropolregion seit 2000 die Zahl der Arbeitssuchenden um 35.425 bzw. 20 Prozent. Doch nun die schlechte Nachricht: „Das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften geht stetig zurück. Die Suche nach Fachkräften wird daher immer schwieriger“, ergänzt der Geschäftsführer für das IHK-Geschäftsfeld „Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung“. So geben aktuell geben 56 Prozent der Unternehmer in FrankfurtRheinMain an, dass der Fachkräftemangel zum Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens wird. Zum Vergleich: 2015 sahen darin nur 34 Prozent ein drohendes Problem. „Der Fachkräftemangel entwickelt sich immer mehr zu einem Bremsklotz“, sagt Trippen und verweist in diesem Zusammenhang auf den PERFORM-Fachkräftemonitor. Danach fehlen alleine in diesem Jahr in der Region etwa 172.000 Fachkräfte. Bis 2030 kann sich die Situation noch einmal deutlich verschärfen, denn die Prognosen gehen davon, dass die Lücke auf über 250.000 anwächst. Das hat einen besonderen Grund.

©cubatur-Grafik; Quelle: IHK Frankfurt am Main

Einwohnerentwicklung hinkt hinterher

Die Wirtschaftsregion FrankfurtRheinMain boomt und entfaltet eine entsprechende Sogwirkung für Arbeitskräfte. Mithin haben seit der Jahrtausendwende auch die Einwohnerzahlen zugelegt. Vergleicht man das Beschäftigungswachstum mit der Einwohnerentwicklung, fällt allerdings auf, dass sich beide Parameter sehr unterschiedlich entwickeln. Während die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den letzten 18 Jahren um knapp 386.000 anstieg, nahm die Einwohnerzahl in der Metropolregion nur um rund 297.000 zu. Die Bevölkerung von FrankfurtRheinMain ist seit 2000 also nur um 5,4 Prozent auf 5,75 Mio. Einwohner angewachsen. Die Beschäftigungszahl legte hingegen um 19 Prozent zu. Dabei konnte Mainz mit einem Einwohnerwachstum von 17,6 Prozent zwischen 2000 und 2017 am stärksten zulegen. Auch wenn Berechnungen davon ausgehen, dass die Region 2030 mehr als 5,9 Mio. Einwohner zählen wird: Das Beschäftigungswachstum der vergangenen Jahre wird sich nicht in dem Maße fortsetzen können. Der Beschäftigungsprognose bis 2030 wird deshalb nur ein Zuwachs von durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr unterstellt. „Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe hat gerade erst begonnen. FrankfurtRheinMain muss aufpassen, in diesem Prozess nicht unter die Räder zu geraten“, gibt IHK-Geschäftsführer Sebastian Trippen zu bedenken.