19. Bauforum: Teilnehmer votieren eindeutig

Trendwende im Bauen und Umgang mit Ressourcen gefordert.

  • Zu den Teilnehmern des 19. Bauforums zählte auch Doris Ahnen, Finanzministerin von Rheinland-Pfalz (3. v.l.)

    Bildquelle: Bauforum Rheinland-Pfalz; Urheber: Kristina Schäfer

„Europa schrumpft, der Rest der Welt wächst. Vor diesem Hintergrund stellt sich die  Kernfrage, wie wir unsere Städte und Metropolen neu organisieren müssen?“, eröffnete Prof. Dr. Lamia Messari-Becker das 19. Bauforum in Mainz, das in diesem Jahr dem Thema „Bauen und Gesundheit“ gewidmet war und in den Räumlichkeiten der ISB Investitions- und Strukturbank stattfand.

Wie sehr Klima, Lärm, Licht und Farbe zusammen mit der thermischen Behaglichkeit und der Bebauungsdichte zu den Schlüsselfaktoren zählen, die die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen vor allem in den Städten maßgeblich beeinflussen, bestimmte am 2. Juli 2019 die Agenda des 19. Bauforums. Der Appell der Experten: Es brauche neue Leitplanken für die Stadtplanung, um den Weg für eine angemessene Bau- und Wohnqualität zu ebnen. Auch den über 120 Teilnehmern wurde die Gelegenheit gegeben, sich über Abstimmungen einzubringen. Und auch ihr Votum fiel eindeutig aus: „Stadtplaner und Architekten“ müssten den Menschen stärker in den Fokus stellen. Nur wenige vertraten die Ansicht, dass Städte bereits heute schon für die Menschen gemacht seien und ein Umdenken somit nicht nötig sei. Ein ähnliches Abstimmungsverhältnis wurde bei der Frage nach der Trendwende im Bauen und den Umgang mit Ressourcen erzielt: „Wir sollten mehr auf Low-Tech-Gebäude und Naturbaustoffe setzen“, votierte die Mehrzahl der Teilnehmer. Die These, dass an High-Tech kein Weg vorbeiführe, fand dagegen nur vereinzelt Befürworter. Gleichwohl wurde aus der fachlichen Diskussion deutlich, dass der Einsatz von Naturbaustoffen erst dann eine größere Verbreitung finden wird, wenn dieser kostenneutral möglich ist. Das skizzierte Beispiel „Neues Gründerhaus“ in der Berliner Gotenstraße vom Büro ZRS Architekten und Ingenieure, veranschaulichte zwar, dass Mehrfamilienwohnhäuser aus Holz technisch machbar seien. Doch im kostengünstigen Wohnsegment seien diese für kommunale Wohnungsunternehmen finanziell noch nicht darstellbar – zumindest in den Fällen nicht, in denen Baukosten in Höhe von 1.500,- €/m2 vorgegeben werden.

Abstimmung über die „Düsseldorfer Erklärung“

Abschließend bezogen die Teilnehmer und Referenten des 19. Bauforums auch zur Zielsetzung der „Düsseldorfer Erklärung zum Städtebaurecht“ klar Position: Um im Sinne der Leipzig Charta von 2007 „schöne, lebensfähige und vielfältige“ Stadtquartiere zu schaffen, „müssen wir uns von den überholten planungsrechtlichen Restriktionen verabschieden“. Die Forderung, dass es eine grundlegende Novellierung der Baunutzungsverordnung mit ihrer Dichteobergrenze und Nutzungskatalogen sowie eine grundlegende Novellierung der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm brauche, stieß auf eine breite Zustimmung. Mit den Methoden von gestern ließen sich die Ziele für morgen jedenfalls nicht erreichen, lautete ein zentrales Fazit der Fachveranstaltung.